Kinder-, Jugend-, Familienfreundlichkeit

„SchWUNG“ für Schwangere

Im Jobcenter bedeutet die Meldung einer Schwangerschaft in der Regel, dass die Kundinnen sich aus weiteren Bewerbungsbemühungen zurückziehen und die herkömmlichen Maßnahme-Angebote kaum gewinnbringend für sie sind. Die Schwangerschaft ist jedoch eine bedeutsame und sensible Zeit für die betroffenen Frauen und es lohnt sich für alle Beteiligten, diese Zeit zu nutzen um Veränderungsprozesse anzustoßen und wichtige Weichen für die (berufliche) Zukunft zu stellen.

Durch eine gute Vorbereitung der Frauen auf die Mutterschaft werden die Startbedingungen des Kindes deutlich verbessert. Gleichzeitig wird mit den Frauen eine Perspektive nach der Schwangerschaft und Elternzeit konkret in den Blick genommen und somit die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die Umsetzung erarbeiteter Perspektiven nach der Geburt des Kindes mit dem Kind gelingen kann. Erwerbslosenbiografien werden auf diese Weise nachhaltig unterbrochen. Sowohl die teilnehmenden Frauen als auch ihre Kinder profitieren von diesem Projekt.

An dem insgesamt 24 Monate umfassenden Projekt haben zwischenzeitlich bereits mehr als 50 schwangere Frauen im Haus der Familie die Chance der sensiblen Lebensphase Schwangerschaft für wesentliche Veränderungsprozesse genutzt. Der Schwerpunkt liegt bei schwangeren Frauen im SGB II-Bezug, das Projekt steht aber auch anderen schwangeren Frauen offen.

SchWUNg TeilnehmerinAn 4 Vormittagen in der Woche werden verschiedene Themen beleuchtet: z.B. Aspekte der Geburtsvorbereitung und Säuglingspflege, der Alltag mit dem Kind, gesunde Lebensführung, Selbst- und Zeitmanagement und die persönlichen beruflichen Perspektiven.

Die Themen werden von unterschiedlichen ReferentInnen betreut, darüber hinaus begleitet eine Praktikantin das Projekt kontinuierlich. Verschiedene Institutionen bringen sich mit ReferentInnen (Caritasverband, Jobcenter, Gesundheitsamt) in schWUNG ein.

Die individuelle Verweildauer der Teilnehmerinnen beträgt 12 Wochen (unterteilt in drei Themenblöcke à 4 Wochen), die Gruppengröße kann 10-12 Teilnehmerinnen betragen, ein Neu-Einstieg ist jeweils zu Beginn eines neuen Themenblocks möglich.

Die Teilnehmerinnen lernen andere Frauen kennen und vernetzen sich rasch. Sie unterstützen sich gegenseitig im Alltag. Sie entdecken, was in ihnen steckt und entwickeln Ideen, wie es nach der Schwangerschaft und Elternzeit für sie weitergehen kann im Beruf, mit einem oder mehreren Kindern, alleinerziehend oder mit einem Partner. Wie lässt sich das alles unter einen Hut bringen? Wie ist das zu schaffen ohne sich und die Bedürfnisse des Kindes/der Kinder aus dem Blick zu verlieren? Diese Fragen klären sie für sich und werden bei ihren individuellen Lösungsansätzen unterstützt.

Der Vormittag wird in der Regel mit einem gemeinsamen Frühstück begonnen und oft geraten die Frauen dabei schon mit den jeweiligen Referentinnen oder Referenten ins Gespräch.

Andere Themen werden über Tage hinweg entwickelt, z.B. die Reflektion der eigenen Biografie, der persönlichen Ressourcen und ihre vielfältigen Einsatzmöglichkeiten im beruflichen Kontext, der Einsatz von Zeit- und Selbstmanagement oder das Thema Kommunikation in verschiedenen Kontexten.

Die Frauen erhalten in schWUNG ohne einen erhobenen Zeigefinger wichtige Hinweise zu den Bedürfnissen eines Säuglings und den ersten Lebensjahres des Kindes.

Über diese eher theoretischen Themen haben die Frauen vor allem Freude am gemeinsamen Tun. Das zeigt sich deutlich, wenn gemeinsam Mahlzeiten zubereitet werden.

Hier werden nicht nur beiläufig Erkenntnisse zur gesunder Lebensführung vermittelt, die Frauen haben sogar die Möglichkeit sich die erworbenen Fähigkeiten beim Kochen und der gesunden Lebensführung als Haushaltsführerschein durch das Netzwerk Haushalt anerkennen zu lassen. Eine Möglichkeit von der die meisten Teilnehmerinnen sehr gerne Gebrauch machen.   bild3

Das Konzept deckt die verschiedenen Aspekte der Schwangerschaft ab, aber das alleine macht nicht den Erfolg aus.

Die Frauen kommen in schWUNG, weil sie sich hier wohlfühlen. Sie erfahren ein wertschätzendes und aufmerksam gestaltetes Umfeld im Haus der Familie und reagieren darauf mit einer hohen Bereitschaft, sich all das auch wirklich gut tun zu lassen. Hier finden intensive Begegnungen statt. Die Frauen helfen sich gegenseitig z.B. bei der Kinderbetreuung oder der Organisation des Alltags. Sie sind in Verbindung und kümmern sich auch umeinander, wenn sie z.B. erfahren, dass eine von ihnen eine Fehlgeburt erlitten hat oder nach der Geburt des Kindes in eine postnatale Depression gerutscht ist.

bild4Zwischenzeitlich sind bereits einige Kinder geboren, deren Mütter das Projekt genutzt haben. Die Mütter nehmen nun auch nachfolgende Angebote (Mutter-Kind-Angebote in der Familienbildungsstätte) für sich und ihre Kinder wahr, die sie ohne die vorausgehende Erfahrung in schWUNG sehr wahrscheinlich nicht genutzt hätten. So starten die Kinder mit gut vorbereiteten Müttern und bewusster gestalteten Rahmenbedingungen ins Leben und die Frauen mit klaren Vorstellungen bezüglich ihrer persönlichen und beruflichen Perspektiven.

Download:

Flyer SchWUNG

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