Integration

Ein „Rucksack“ voll Bildung in der Grundschule

Was ist eine“Rucksack Grundschule“?

Rucksack ist ein Programm zur Elternbildung, Elternpartizipation, zur Sprach(en)förderung und zur Interkulturellen Schulentwicklung. Das Angebot gibt es für Kinder von 3-6 Jahren (Kita) und für Kinder im Grundschulalter. Rucksack Schule baut auf die Rucksackgruppen in den benachbarten Kindertagesstätten auf. Ziel des Projekts ist die durchgängige sprachliche Bildung sowohl in der Herkunftssprache, die anhand der Materialien von den Eltern gefördert wird, wie auch in der Förderung der deutschen Sprache unter besonderer Berücksichtigung der Schriftsprache. Es richtet sich an Eltern mit Migrationshintergrund und ihre Kinder im ersten bis vierten Schuljahr sowie an die Grundschulen, welche von diesen Kindern besucht werden.

„Rucksack Grundschule“ ist ein Elternbildungsprogramm, in dem die Eltern erfahren, wie sie ihre Kinder in der allgemeinen und schulischen Entwicklung zu Hause optimal fördern können. Die Gruppen werden von Müttern unterschiedlicher Herkunft besucht, deshalb ist die Gruppensprache Deutsch. Die Mütter nutzen sehr gerne diese Möglichkeit, ihre Deutschkenntnisse hier zu erweitern und dies auch in den gemeinsamen Übungen mit dem Kind zu Hause fortzusetzen.

Durch die Teilnahme an der Rucksackgruppe werden Mütter besser in das Schulleben eingebunden, beteiligen sich aktiv an Veranstaltungen der Schule und finden besseren Zugang zum deutschen Bildungssystem, welches sich zum Teil erheblich von den Bildungssystemen anderer Länder unterscheidet. Es trägt somit auch zur Elternpartizipation bei. Eltern werden wahr- und ernstgenommen und zu gleichberechtigten Bildungspartnern.

Die Grundschulen erhalten mit „Rucksack Grundschule“ ein Angebot zur mehrsprachigen und interkulturellen Unterrichts- und Schulentwicklung, das auf Wertschätzung und Anerkennung von Vielfalt, Ressourcen und Kompetenzen beruht und im Schulprogramm festgeschrieben wird.

Im Rahmen einer Anschubfinanzierung werden das Ehrenamtshonorar für die Elternbegleiterin und die Materialausstattung mit Büchern und Bastelmaterial durch die Demografie-Initiative des Kreises für zwei Jahre gestellt.

Mit dem Rucksack-Programm werden folgende Ziele verfolgt:

  1. Förderung der Mehrsprachigkeit. Die Muttersprache und die deutsche Sprache werden in den Bereichen Sprechen, Erzählen und Lesen gestärkt. Die Kinder können bessere Schulleistungen erreichen.
  2. Förderung der Erziehungskompetenz. Durch Information, Beratung und Austausch in der Müttergruppe werden die Mütter angeregt, ihre Erziehungskompetenzen auszubauen und zu reflektieren.
  3. Stärkung des Selbstwertgefühls. Die zugewanderten Mütter erfahren eine Stärkung ihrer Rolle dadurch, dass sie als Erziehungs- und Bildungspartner ihrer Kinder und der Schule wahrgenommen werden.
  4. Partizipation und Teilhabe. Gemeinschaftserleben in der Müttergruppe und Ermutigung, aktiv in schulischen und außerschulischen Aktivitäten teilzuhaben.
  5. Zusammenarbeit mit den Eltern: Verbesserung der Kommunikation zwischen Schule und Eltern, Einsicht in die Unterrichtsmethoden und Bildungsziele der Grundschule, Aufgaben der OGS.
  6. Interkulturelle Schulentwicklung. Der „Normalfall Vielfalt“ soll in den Fokus rücken. Diversität gilt als Ressource. Auch das Lehrerkollegium und das Team der OGS werden „bunt“.
  7. Stärkung der interkulturellen Pädagogik und des Mehrsprachenkonzepts der Schule und der OGS: Der Spracherwerb in der Muttersprache und im Deutschen wird in allen Fächern unterstützt. Mehrsprachigkeit gilt als wertvolle Ressource.

Was passiert im Rucksack konkret?

Im Rucksack-Programm finden unter der Leitung einer zweisprachig tätigen Elternbegleiterin, die selbst über einen Migrationshintergrund verfügt, regelmäßig einmal in der Woche Eltern- bzw. Mütter-Treffen statt. Die Kinder der Eltern, meist Mütter, besuchen die 1. und 2. Klasse der Schule. Die Schule stellt eine Lehrkraft mit einer Stunde wöchentlich frei, um mit der Elternbegleiterin die Umsetzung der Themen in der Müttergruppe zu besprechen.

In der Gruppe wird den Müttern parallel zu den im Unterricht behandelten Themen Erzähl-, Bastel- und Spielmaterial in deren Muttersprache mit nach Hause gegeben. Die Mütter beschäftigen sich möglichst täglich mit ihrem Kind mit diesen Materialien in ihrer Familiensprache.

In der Müttergruppe werden Fragen der Erziehung, des Familienlebens, der Schulentwicklung etc. besprochen. Die Mütter werden durch Exkursionen, Referenten etc. vertraut mit den sozialen und kulturellen Einrichtungen der Umgebung.

Die Elternbegleiterin wird durch eine Lehrkraft an der Schule (Rucksack-Kontaktlehrerin, Freistellung für Integrationsaufgaben) unterstützt und durch regelmäßiges Coaching durch das KI und Fortbildungsangebote vorbereitet und begleitet.

Die Müttergruppe kann im Bedarfsfall von einer Kinderbetreuung unterstützt werden. Eine Kinderbetreuung ist für Mütter in der Regel grundlegend, um an den Angeboten teilhaben zu können. Sie können sich auf die Aufgaben und Gespräche konzentrieren, während ihre Kinder in einem Nachbarraum versorgt und betreut werden.

 

Wer macht mit?

Im Kreis Euskirchen machen aktuell zwei Schulen mit:

die GGS Weststadt

die KGS Mechernich.

Die KGS an der Hardburg in Stotzheim konnte zwei Jahr für das Programm gewonnen werden und beendete ihre Zusammenarbeit im Sommer 2016.

Neu dazu werden zwei weitere Schulen im laufenden Schuljahr in das Programm einsteigen:

die GGS Nordstadt und

die Josef-Schaeben-Schule in Weilerswist.

In Planung ist für kommendes Schuljahr 2017-18 zwei weitere Schulen in das Programm aufzunehmen.

Autorin
Kommunales Bildungs- und Integrationszentrum (KoBIZ)
E-Mail: ricarda.brecher@kreis-euskirchen.de
Telefon: 02251 15336
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