Wirtschaft & Arbeit

Gut aufstellt! Strategien zur Personalgewinnung

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Erfolgreiche Vortrags- und Diskussionsveranstaltung zum Thema Fachkräftemangel am 12. Juli 2011 im Kulturraum in Kall.

Etwa 70 Interessierte, darunter viele Unternehmen, nahmen an der Veranstaltung „Gut aufgestellt! Lösungen zur Personalgewinnung“ teil. Eingeladen hatte die Struktur- und Wirtschaftsförderung des Kreises Euskirchen. Unterstützt und gestaltet wurde die Veranstaltung mit Partnern aus der Region.

„Das Thema Fachkräftemangel wird sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene viel diskutiert. Ich bin der Ansicht, dass wir uns hier vor Ort mit der speziellen Situation befassen und unseren Unternehmen konkrete Angebote bieten müssen“, so Landrat Günter Rosenke.

Das dies dem Kreis Euskirchen gelingt, bestätigt Ulrich Schirowski von der Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer (AGIT). „Was hier geleistet wird ist wegweisend für die Region“, so Ullrich Schirowski.
Der Fachkräftemangel zählt zu den zentralen Aspekten des demografischen Wandels. Dies gilt insbesondere für eine ländlich strukturierte Region wie den Kreis Euskirchen. Hier verändern geringe Geburtenzahlen und die Abwanderung von jungen, gut ausgebildeten Menschen die Bevölkerungsstruktur deutlich. Überalterung und Rückgang der Bevölkerung werden in den nächsten Jahren offensichtlich.

Herr Prof. Dr. Gottfried Richenhagen, Hochschule für Ökonomie und Management (FOM), stellte Ansätze vor, die Unternehmen dabei unterstützen, dem Fachkräftemangel zu begegnen. Er forderte die Unternehmen auf, vor allem aus den eigenen Reihen Fachkräfte zu mobilisieren. Aus- und Weiterbildung im eigenen Unternehmen sind aus seiner Sicht von zentraler Bedeutung. Personengruppen, die Potenziale für die Deckung des Fachkräftebedarfs bieten, sind vor allem Menschen mit Migrationshintergrund, Frauen und Ältere, so Prof. Dr. Gottfried Richenhagen.

Dies bestätigt Frau Stock von der Agentur für Arbeit Brühl anhand einiger Eckdaten aus dem Kreis und dem nationalen Ziel für 2020. So ist die Frauenerwerbsquote bis 2020 um mehr als 10% zu steigern und die Zahl der Langzeitarbeitslosen um 20% zu reduzieren. Frau Stock hebt in Ihrem Vortrag positiv hervor, dass die Zahl der Schulabgänger ohne Schulabschluss im Kreis Euskirchen geringer ist als im NRW-Durchschnitt. Hier sieht sie eine Chance für den Kreis. Anhand der Beispiele Kraftfahrer und Verkäufer betont sie, dass es neben dem Bereich Pflege und den Ingenieursberufen auch einige andere Berufszweige gibt, die in Zukunft einen erheblichen Ersatzbedarf haben werden.

An der Podiumsdiskussion, die von Elke Breidenbach – Leiterin der Regionalagentur Aachen – moderiert wurde, nahmen Nina Walkenbach – Regionalagentur Aachen, Josef Weingarten – Jobcenter EU-aktiv, Christof Gladow – Struktur- und Wirtschaftsförderung des Kreises Euskirchen, Elke Witzmann – profit! und Maria Breuer – Technik-Agentur Euskirchen, teil. Die Diskussion machte u.a. deutlich, dass die Unternehmen der Region an ihrem Image arbeiten müssen.

Die großen Unternehmen sind den Studienabgängern bekannt, die kleinen und mittleren Unternehmen der Region häufig nicht. Das bestätigt auch Nina Walkenbach von der Regionalagentur. Sie stellte die Plattform www.karriere.ac vor, die hier Abhilfe schaffen möchte. Auch stellen viele Unternehmen der Region das häufig große Engagement für die Mitarbeiter nicht in den Vordergrund. Die Website eines Unternehmens, auf der die hohe technische Kompetenz der Firma abgebildet wird, jedoch keine einzige Person zu sehen ist, wirkt für Bewerber nicht attraktiv, so Elke Witzmann.
Die von Frau Elke Breidenbach, Leiterin der Regionalagentur Aachen, moderierte Podiumsdiskussion machte jedoch auch deutlich: die Unternehmen in der Region haben vielfältige Möglichkeiten, etwas gegen den Fachkräftemangel zu tun. Hierbei hilft die enge Vernetzung der Partner in der Region.

Als Vor-Ort-Partner des Projektes TeTRRA ist die Technikagentur Euskirchen Ansprechpartner für die Unternehmen, bei Fragen zur erfolgreichen Fachkräftegewinnung und -bindung. Von hier aus wird Netzwerkarbeit und regelmäßiger Wissens- und Informationsaustausch organisiert.

Das Projekt profit! bietet Unternehmen in drei Tools Unterstützung bei der Fachkräftegewinnung: Personalentwicklung (Identifizierung / Qualifizierung von Frauen für Fach- und Führungsposition), -management (Qualitätsgesicherter Wiedereinstieg) und -marketing (Arbeitgeberimage, das Frauen zur Bewerbung motiviert). Für die nächste Projektphase werden noch Unternehmen gesucht!

Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen haben selbst kaum die Ressourcen eine Personalstrategie oder ähnliches zu erarbeiten. Hier kann die Potenzialberatung genutzt werden. Die Inanspruchnahme externer Unternehmensberatung, die sich mit personalwirtschaftlichen Themen befasst, wird mit einem Beratungszuschuss gefördert. Christof Gladow von der Struktur- und Wirtschaftsförderung des Kreises Euskirchen informierte über das Instrument.
Dass die Teilzeitausbildung auch Frauen mit Kindern die Chance bietet, eine Ausbildung zu beginnen und hiervon auch das Unternehmen profitiert betonte Josef Weingarten vom Jobcenter EU-aktiv ebenso wie die Tatsache, dass auch über 50-jährige eine wertvolle Ressource für den Arbeitsmarkt sind, insbesondere vor dem Hintergrund es Fachkräftemangels.

Als engagierte Unternehmen präsentierten sich die Deutsche Mechatronics GmbH und die Kreis-Energie-Versorung Schleiden GmbH. Herr Karl-Heinrich Moll von der Deutschen Mechatronics GmbH stellte vor, dass interne Aus- und Weiterbildung, der frühzeitige Kontakt zu Schülerinnen, Schülern und Studierenden enorm wichtig ist. Spannend ist aus seiner Sicht auch, dass der Standort des Unternehmens in China, neue Impulse in das Personal bringt. An Mitarbeitern werden bisher unerkannte Potenziale entdeckt.

Herr Erhard Poth stellt die Instrumente der Kreis-Energie-Versorgung vor. Auch hier hat die interne Aus- und Weiterbildung einen hohen Stellenwert. Herr Poth selbst z.B. ist seit 1974 im Unternehmen und hatte dort immer wieder die Chance sich weiter zu entwickeln. Die KEV bleibt auch mit Mitarbeitern die ins Ausland oder Studieren gehen in engem Kontakt. „Viele kehren eines Tages doch zurück in die Eifel“, so Erhard Poth.

Autorin
Dipl.-Geografin - Projektmanagement
E-Mail: sarah.komp@kreis-euskirchen.de
Telefon: 02251 15 904
Telefax: 02251 15 489
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